Kann mir mal einer verraten, warum bei Multiplattformtiteln die Wii-Version grundsätzlich am lieblosesten daherkommt? Liegt’s wirklich an der Zielgruppe? Wollen wir das? Wollen Casualgamer wenig Qualität für viel Geld? Einem Vertreter dieser Gattung Mensch würde ich wirklich gern mal begegnen, denn laut den Entwicklern, scheint es diese Leute ja massenhaft zu geben. Auch Spider-Man: Web of Shadows verschenkt das Potenzial eines eigentlich guten Spiels durch eine weitestgehend schlampige Umsetzung. Die Grafik ist nur ein Schatten ihrer selbst, die Steuerung hätte mehr Feinschliff vertragen können. Die Kamera stimuliert in regelmäßigen Abständen die Brechreize. Das klingt jetzt hart, doch wären diese Punkte nicht, würde ich Web of Shadows jedem Wii-Actionspieler uneingeschränkt ans Herz legen. Denn der Ausbau der Fähigkeiten motiviert durchaus, das Schwingen durch die Stadt erzeugt ein fantastisch freies Gefühl und die Kämpfe gehen recht flott von der Hand. Auch wenn ich aus Vernunftgründen und in Anbetracht der Makel eine höhere Wertung als die unten gegebene nicht verantworten kann, bleibt Web of Shadows insgeheim jedoch mein aktueller Geheimtipp, denn trotz allem hat mir der Titel beim Testen viele Stunden Spaß bereitet. Es ist typische Hassliebe. Ich habe mich über die mäßige Storypräsentation geärgert, ich habe mich manchmal über die Kamera geärgert und vor allem über die Synchronstimme. Aber wenn ich dann wieder mein Netz auswerfen und durch die Straßen fliegen kann, ist all das für einen Augenblick vergessen. Ausgehungerte Actionspieler sollten einen Blick riskieren… oder sich Spiderman 2 für Gamecube holen, denn das kostet keine 10 Euro mehr.